Intuition oder Verstand

Stell dir vor, du sitzt in Canada, am Waldrand, hörst den Bach plätschern, entspannst dich, meditierst, geniesst die Natur, atmest tief ein und aus und fühlst dich rundum wohl.

In diesem entspannten Zustand kommen wir wunderbar in Kontakt mit uns Selbst, unserer Intuition und dem Feld, das uns zeigt, welches Potential in uns, dem Leben, unseren Visionen und Träumen verborgen liegt.

Dieser Zustand wird oft als Segen wahrgenommen, denn er ermöglicht uns einen Einblick, an einen inneren Kraftort, der als „friedvoll und angenehm“ wahrgenommen wird.

Wir baden also in Kanada in unseren Gedanken, doch ganz plötzlich knackt es hinter uns.
Was machst du in einem Moment, indem zuvor noch alles still und nun plötzlich „Gefahr“von hinten droht?
Vermutlich erschrickst du instinktiv, öffnest die Augen und schaust dich um, um dich zu orientieren und zu sehen, was die Quelle des störenden Geräusches ist.

Nach genauerer Betrachtung erkennst du, das es nur ein kleines Vögelchen war und entschliesst dich, innerhalb weniger Sekunden dazu, zurück zu deiner Aufgabe zu kehren, nämlich, dich zu entspannen.

Wir Menschen sind von Natur aus, nur dann in der Lage zu entspannen, wenn sich unser komplettes Nervensystem wohl und sicher fühlt.Nur dann harmonieren Verstand und Intuition auf einer Frequenz, die uns dienlich ist. Wir befinden uns hier im Zustand der inneren Balance.

Wenn wir nun irgendwann in unserem Leben erfahren haben, dass „Knacken im Wald“ große Gefahr darstellt, entweder weil wir es mehrfach in Krimis gesehen haben, oder weil wir selbst die Erfahrung machten, dass dem so ist, werden wir nicht mehr in der Lage sein, uns so intensiv zu entspannen, wie zuvor.
Nehmen wir nun an, wir sind erneut in Canada und es gelingt dir, weiter zu meditieren. Diesmal knackt es erneut, jedoch deutlich lauter als zuvor.
Du schrickst hoch, drehst dich um und siehst hinter dir einen großen Grizzly Bären.
Er bäumt sich auf, stellt seine Pranken in deine Richtung und setzt an, um auf dich loszulaufen.

 

Was tust du?

Bei Gefahr übernimmt unser Stammhirn zu 100% die Regie und reagiert instinktiv mit 3 Möglichkeiten:
1, Flucht ( in diesem Fall bestimmt eine gute Variante)
2, Angriff ( einen Bären anzufgreifen, ist bestimmt nicht sehr sinnvoll)
3. Starre (sich „totstellen“ ist im Tierreich gewiss eine kluge Reaktion auf Gefahr)

Die Antwort auf das Gefahrenereignis gibt nicht unsere Intuition, auch nicht der Verstand, sondern einfach unsere menschlichen Instinkte, die vom Stammhirn gesteuert werden.
In diesem Stammhirn liegen alle unbewussten Muster, Verhaltensweisen und Instinkte begraben, die wir uns angeeignet haben und die dafür sorgen, dass wir sicher durchs Leben kommen und überleben.
Deshalb haben wir in einem Augenblick, indem wir den Bär sehen, keinen Zugang zu rationalen Handlungen und unserem Neocortex, dem Bereich unseres Gehirns, der uns Dinge bewusst macht, sie analysiert und strategisch durchdenkt.

Übertragen wir dieses Beispiel nun aufs Leben. Jeder von uns hat „Bären“, die sich real oder auch nur als vorgestellte Angst zeigen.
Krankheiten, Jobverlust, Scheidungen, Geldprobleme,Partnerschaften etc. Unser Gehirn unterscheidet grundsätzlich auch nicht zwischen realer oder vorgestellter Bedrohung. Deshalb macht die vorgestellte Angst, genauso viel Druck und Stress, wie die realistische.

Jeder reagiert unterschiedlich auf diese „Alltagsbären“.
Es gibt Menschen, die absolut entspannt sind, wenn ihr Konto im Minusbereich liegt oder sie entlassen werden und andere wiederum, die das in ein Burn Out, in Panikattacken oder Depression wirft.
Woran liegt das?
Unser System, das bedeutet, die Art, wie wir auf Ereignisse im Leben reagieren, wird vom so genannten „Window of Tolerance“ (WOT) oder kurz gesagt: unserem  Stress und Freudefenster gebildet.

 

Dieses Fenster steuert und reguliert unser zentrales Nervensystem, sodass wir in der Lage sind auf Stress und Gefahr, aber auch auf Freude und Ekstase instinktiv und individuell zu reagieren, und auch die Fähigkeit, uns wieder erholen und entspannen zu können.

Jeder Mensch hat ein unterschiedlich breites WOT, daher kommt auch die unterschiedliche Herangehensweise und auch die Fähigkeit auf Ereignisse, Alltagsbären, Stress, Traumata, Glück und Freude reagieren zu können.

Dies entscheidet maßgeblich darüber, ob wir überhaupt einen Zugang zu Entspannung und Intuition, aber auch zum klaren und bewussten Verstand haben, oder nicht.

Das WOT können wir uns wie ein Fester vorstellen. Je kleiner es ist, desto geringer ist die Fähigkeit auf Stress oder Freude einzugehen. Die Größe unseres WOT entscheidet also maßgeblich darüber, ob wir entspannt, glücklich und in Balance durchs Leben gehen können, oder nicht, sowie über die Fähigkeit Verstand und Intuition kombinieren zu können. Aus meiner langjährigen Erfahrung in meiner Praxis ist klar ersichtlich, dass dies eines der größten Probleme unserer Gesellschaft ist. Menschen gelingt es, verstärkt durch Digitalisierung, immer weniger sich und ihre Bedürfnisse zu spüren, sich selbst zu regulieren, in Kontakt mit sich und der Umwelt zu kommen und dadurch erfüllt durchs Leben gehen zu können. Ich habe bisher über 400.000 Menschen dabei begleitet, den Zugang zu Intuition und Verstand frei zu schaufeln und es werden täglich mehr.

Wann und wodurch bildet sich die Fähigkeit Verstand und Intuition balanciert miteinander zu verknüpfen?

Grundsätzlich kann man sagen, in den ersten drei Lebensjahren.
Es kommt dabei stark darauf an, wie unsere Bindung zu den Eltern war. Das bedeutet, wie gut wurden wir als Kind wahrgenommen und gesehen, wie emphatisch waren unsere Eltern und in welcher Form wurden unsere Grundbedürfnisse nach Nahrung, Sicherheit und Nähe erfüllt.
Wie gut haben sie uns in Stresssituationen reguliert, wie und wann haben sie mit uns gespielt, uns gehalten und beruhigt?
Konnten wir in der Kindheit lernen, dass Freude etwas Schönes ist?

 

Daran liegt es nämlich, wie breit das WOT wird und wie groß unser Zugang zu Intuition und Versand wird.
Das Problem ist, dass die meisten von uns in der Zeit der „dunklen Erziehung“ groß wurden. Bis in die 70er Jahre glaubte man, dass Säuglinge keine Empfindungen haben, es wurden sogar OP`s ohne Betäubung an ihnen durchgeführt, Säuglinge wurden isoliert, indem sie stundenlang alleine in Bettchen liegen mussten und auf Nahrung und Zuwendung verzichteten. Ein absolut bedrohlicher Zustand! Das hatte fatale Auswirkungen auf unser WOT und somit auch auf unsere Gesellschaft und die Fähigkeit glücklich zu sein!

Die Auswirkungen zeigen sich in der heutigen Gesellschaft und im eigenen Leben in unterschiedlichen Ausformungen. Grundsätzlich kann man sagen, dass ein kollektives Gefühl von emotionalem Mangel und „nicht satt werden“ entstanden ist. Es gibt Menschen die gerade dann, wenn sie große Freude erleben, in ein Tal abrutschen, eben weil ihr Fenster weder mit Freude noch mit Stress umgehen kann. Du kennst das vielleicht selbst. Wenn du einen tollen Tag hattest oder etwas wundervolles erlebt hast, verstehst du oftmals nicht, dass du dich im Anschluss irgendwie innerlich „leer“, ausgebrannt wütend oder traurig fühlst.
Menschen, deren Fenster eng ist, sind chronisch übermüdet, lustlos, depressiv oder aber auch ständig überreizt, auch wenn sie „eigentlich“ glücklich sein sollten.
Entspannung und Meditation ist für ihr Nervensystem im Grunde kaum möglich und wird deshalb als Zustand vermieden. Selbst wenn man bewusst meditieren möchte, gelingt es dem System nicht. Das WOT hat genauso wenig Toleranz für Entspannung wie für Stress. Es muss zuerst mal durch bewusstes Üben lernen, damit umgehen zu können!

Diese Menschen berichten, dass sie „kein Bauchgefühl“ und keinen Zugang zur Intuition haben.Oftmals verwenden sie aber auch die Formulierung: „Ich kann nicht klar denken oder kaum etwas fühlen, ich bin wie abgeschnitten von mir und der Welt“.

Man ist weder in der Lage komplett zu entspannen, noch scharf zu fokussieren oder rational über etwas nachzudenken.
Dieser Zustand ist sehr belastend und dauerhaft ungesund! Eine andere Ausformung zeigt sich als so genannte „Hochsensible Persönlichkeit“.

Da musste als Kind häufig die Umgebung abgescannt werden und nach eventuellen Gefahrenquellen gesucht werden.
„Mögen Mama oder Papa mich nur, wenn ich sie glücklich mache? Werde ich ignoriert oder bestraft, wenn es mir nicht gelingt? Wird mir Liebe entzogen, wenn ich mich „falsch benehme“? Dann suche ich automatisch, aber unbewusst nach Strategien, wie ich sie glücklich bekommen kann, auch, wenn ich mich und meine Bedürfnisse dabei aus den Augen verliere. Warum? Weil genau dieses Verhalten mein Überleben, mein Wohlbefinden und mein Glück in der Familie bestimmt.
Daraus entwickeln sich häufig hochsensible Persönlichkeiten, die ebenso über ein kleines WOT verfügen, wie Menschen, die Traumata oder Vernachlässigung erlebt haben. Meist sind das Menschen, die später den Beruf des Coaches, Therapeuten oder Heiler wählen, weil sie in der Lage sind, sofort zu erkennen, wie ihr Gegenüber „tickt“, reagiert oder sich Situationen entwicklen.

Leider zahlen sie aber auch einen hohen Preis dafür, meist ihre Gesundheit oder Seelenwohl.Sehr häufig bemerken wir, dass diese Menschen unter Krankheiten leiden oder auffällig oft ins Burn Out geraten, eben weil ihr Stammhirn stets unbewusst eine Überreizung/Bedrohung erfährt. Sie sind sehr intuitiv und feinfühlig, haben diese Fähigkeit aber meist aus der Not heraus gelernt und nehmen sich selbst und ihre Bedürfnisse und Empfindungen deutlich weniger wahr, als die ihrer Klienten oder Partner. In meiner Arbeit begleite ich sie dabei, einen gesunden Ausgleich zwischen Geben und Nehmen zu gestalten und dadurch auf allen Ebenen die Erfahrung von Balance machen zu können. Sei es im emotionalen, körperlichen oder finanziellen Bereichen. Das ist so wichtig, denn gerade diese Menschen leisten einen sehr großen Beitrag für das Wohlbefinden der Gesellschaft, umso wichtiger ist es, sie zu stärken!

Wie balancieren wir nun Verstand und Intuition und sind dadurch in der Lage glücklich und erfüllt zu sein?

Wichtig zu wissen ist, dass es für jeden Menschen, der ein harmonisches und ausgeglichenes Leben führen möchte, unausweichlich ist, das WOT auszubauen!

Das gelingt beispielsweise über das bewusste, körperorientiertes Atmen, die Fähigkeit sich bewusst orientieren zu können, „im Körper anzukommen“, indem wir, wann immer wir uns auf irgendeine Weise angegriffen oder bedroht und unsicher fühlen, langsam von rechts nach links den Kopf drehen und die Umgebung bewusst scannen. So bringen wir dem Stammhirn bei, dass keine Gefahr lauert, wir nun erwachsen sind, über andere Ressourcen verfügen und deshalb in der Lage sind uns vor Gefahr zu schützen. Es ist auch sinnvoll, sich Zeit zu nehmen, um das Nervensystem langsam an Stress, Freude und Entspannung zu adaptieren.

Unser Gehirn muss sozusagen nach und nach die Erfahrung machen, dass es sicher ist und in der Lage sein kann, sich zu regulieren. Das geht häufig nicht durch logische Erklärungen, sondern nur durch körperliche Erfahrung, die immer wieder kehrend sicher ist.
Dafür habe ich eine Methode entwickelt, die sehr wirksam ist.
Gemeinsam schaffen wir bei meiner Methode „THE PROCESS“ ein Umfeld, indem sich das System sicher, gehört, verstanden und richtig fühlt,. Wir „beeltern“ sozusagen nach. Denn nur dann ist es unserem WOT möglich sich auszuweiten und zu regulieren und nur dann haben wir die Chance und Möglichkeit ein erfülltes, glückliches und harmonisches Leben zu führen und auf den inneren Kraftort zurückzugreifen, indem Verstand und Intuition balanciert für uns arbeiten!

Ich glaube von ganzem Herzen daran, dass sich gesellschaftlich nur dann etwas verändern kann, wenn wir beginnen unsere innere WOT`S auszuweiten und dafür zu sorgen, dass wir Verstand und Intuition wieder in Balance zu bringen. Den größten Beitrag leisten wir, wenn wir dafür bereit sind.

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